Unsere Organisten

Was wäre der sonntägliche Gottesdienst ohne musikalische Begleitung? An der Orgel der Michelbacher Martinskirche sind mehr oder weniger regelmäßig sechs Organisten im Einsatz. Hier stellen wir sie vor.


Vincent Eissing-Boyny (Lehrer für Deutsch und Musik) spielt seit 1985 Orgel und verdankt dies der Anregung seiner Frau. Am liebsten spielt er das, womit er sich gerade beschäftigt, das kann ein Werk von Bach oder etwas anderes sein. Vincent Eissing-Boyny liebt es, zu den Liedern passende Improvisationen zu entwickeln und ist auch für sein zackiges Tempo bekannt. Sein Highlight: "Ich habe einmal ein Jahr lang nur einen halben Lehrauftrag unterrichtet. In dieser Zeit habe ich unter Anleitung eines jungen, talentierten Organisten geübt und zum Abschluss eine ,Orgelmusik zur Marktzeit' in der Kirche St. Michael gespielt. Oh, wie war ich da aufgeregt - aber es war herrlich."

Hildegard Fink (nebenberufliche Kirchenmusikerin, semiprofessionelle Steinbildhauerin, Vollblut-Hobbyköchin) begann nach der Chorleiterausbildung in den 90er Jahren mit Orgelunterricht. Zuerst lernte sie bei Bezirkskantor Manfred Probst in Gaildorf, anschließend hatte sie Unterricht und C-Prüfung bei KMD Kurt Enßle in Schwäbisch Hall. Am liebsten spielt sie bei Trauergottesdiensten. Sie liebt leise Töne und romantische, zu Herzen gehende Musik. Aber auch da können Pannen passieren, wie sie erzählt: "So richtig ins Schwitzen kam ich auf der Orgelbank während eines Trauergottesdienstes. Nach dem Glockenläuten wollte ich in die Tasten greifen, doch gerade in dem Moment ging ein Knacken durch die Orgel und der Motor schwieg still. Ohne Strom kein Ton. Mit Herzklopfen und zitternden Fingern suchte ich den Schlüssel für den Sicherungskasten, kletterte in das Orgelgehäuse und drückte die Sicherung wieder rein. Das war ein sehr aufregender Organistendienst!"

Gebhardt Kühnle (Lehrer i.R.) hatte seine ersten Orgelstunden 1963 bei KMD Harold Henning am Aufbaugymnasium. Er entstammt einer musikalischen Familie - auch sein Vater und sein Großvater waren Organisten. Auch er erinnert sich an ein besonderes Erlebnis: "Ich arbeitete im Garten, das Telefon klingelt und ich höre meine Frau sagen: ,Ja, er ist da.' Pfarrer Scheiberg bat mich, schnell zu kommen, denn der eingeteilte Organist sei nicht erreichbar. Ich sprang ins Auto - so wie ich war, an den Schuhen noch den Michelbacher Humus. Vor der Kirche wurde ich von der wartenden Hochzeitsgesellschaft mit vorwurfsvollen Blicken empfangen. Ich eilte zur Orgel hoch, zog meine Orgelschuhe an, suchte ein Vorspiel, die Mesnerin sagte mir nebenbei die Lieder ... Das Ganze fand ein gutes Nachspiel: Abends läutete es an der Haustüre. Ein Dankeschön und eine Flasche Wein beendeten den Albtraum vieler Organisten."

Wolf Leiser (geb. Jung, Hauptschullehrer) begleitet Gottesdienste auf dem Klavier seit seiner Jugendzeit. Die "dritte Dimension", also das Pedalspiel und damit das eigentliche Orgeln, lernte er erst später dazu. In Michelbach hatte er rund ein Jahr lang Unterricht bei Manfred Probst in Gaildorf: "Für den Sohn eines Organisten bin ich also relativ spät zum Orgeln gekommen. Am liebsten spiele ich - zugegeben keine besonders originelle Antwort auf diesem Gebiet - Stücke von Johann Sebastian Bach. Leider sind die meisten seiner Stücke zu schwierig für meine begrenzten Möglichkeiten. Lieblingschoräle habe ich viele, zum Beispiel ,Nun danket alle Gott' oder auch das ,Fußball'-Lied: ,Nun lasst uns geh'n und treten'. Für mich ist es immer ein besonderes Erlebnis, dieses Instrument in seiner natürlichen Umgebung zu bedienen." Da Wolf Leiser recht nahe bei der Martinskirche wohnt, ist er auch derjenige, der spontan einspringen muss, wenn der eigentlich vorgesehene Organist verschlafen hat.

Weitere Michelbacher Organisten sind
Regina Ulmer und Wolfgang Eißen, der gelegentlich aushilft.